Als erstes möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Beate Böttger vom #bvmw bedanken, die mich zu dem Interviewformat #freitagsmorgensumhalbneun eingeladen hat. Frau Böttger ist im Bundesverband mittelständische Wirtschaft für die Regionen Osnabrück Stadt & Land sowie Emsland und Grafschaft Bentheim verantwortlich. In diesem Interview geht es um die Themen #recruiting, #mitarbeiterbindung und #arbeitgeberattraktivität.


Legen wir los...


Beate Böttger:

Stichwort: Personalagenturen kosten nur Geld! Warum lohnt es sich für den Arbeitgeber, Mitarbeiter über eine Agentur suchen zu lassen? Und was können Sie besser/effektiver als ein Personalbüro?


Ilka Bergrath:

Es gibt unterschiedliche Gründe, weshalb die Beauftragung einer Personalagentur – im Bestfall connect people - sinnvoll sein kann:


1. Fehlendes Know-how: Viele Unternehmen fangen gerade erst an, ein professionelles Recruiting aufzubauen und wissen nicht, wo und wie sie die passenden Kandidat:innen finden können. Gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen ist sogar oft der Chef oder die Chefin selbst noch für die Personalsuche verantwortlich. Durch unsere langjährige Erfahrung sind wir Profis auf diesem Gebiet und nutzen unser Wissen gerne, um Unternehmer:innen bei einer der – wie wir finden – wichtigsten Aufgabe im Unternehmen zu unterstützen.


2. Zeitersparnis: Neben der Personalsuche hat das Personalbüro (oder sogar die Geschäftsleitung) i.d.R. noch eine Menge anderer wichtiger Aufgaben zu erledigen, sodass die Auslagerung des Recruitings oftmals schlichtweg eine Frage der Zeit und der Ressourcen ist. Personalsuche ist kein Teilzeitjob und erst recht kein Nebenjob. Deshalb nehmen wir uns bei der Suche nach den richtigen Kandidat:innen viel Zeit, um DEN Einen oder DIE Eine zu finden.


3. Unsere Besonderheit: Aufgrund unseres starken Netzwerks erreichen wir über Empfehlungen Bewerber:innen, die nicht aktiv auf der Suche sind und auch nicht über soziale Netzwerke und Co. zu erreichen sind. Somit erschließen wir unseren Kunden einen komplett neuen Bewerbermarkt. Wir nennen es sehr gerne „netzwerkorientiertes Recruiting“. Unser Slogan "Weil Connections alles sind." kommt also nicht von ungefähr. Denn wir haben uns ebenfalls ein Netzwerk von vertrauensvollen Kooperationspartnern aufgebaut, um auch mit anderen Personalvermittlern Hand in Hand zu arbeiten. So konnten wir schon gemeinschaftlich Vakanzen besetzen und haben zwei Seiten damit zufriedengestellt: Das Unternehmen und die neuen Mitarbeiter:innen.


Übrigens ist es auch ratsam mit uns zu sprechen, wenn die Personalsuche intern durchgeführt werden soll. Wir beraten Unternehmen nämlich auch dabei, wie sie als Arbeitgeber selbst mehr Bewerbungen generieren können und unterstützten auch beim Aufbau professioneller und nachhaltiger Recruiting-Prozesse im eigenen Unternehmen. Dafür habe ich im Februar diesen Jahres - gemeinsam mit meiner Geschäftspartnerin Christina Fiebig - das Unternehmen connect company GmbH gegründet und wir haben somit noch eine weitere Farbe in die Connecting-Welt gebracht: LILA! Hier lautet das Motto „Weil Arbeitgeberattraktivität alles ist.“ - eine Thematik, die nicht zu unterschätzen und sehr eng mit dem Recruiting verbunden ist.



Beate Böttger:

Wie finden Sie die richtige Besetzung für die ausgeschriebene Stelle?


Ilka Bergrath:

Zunächst ist es wichtig, die Position und auch das Unternehmen gut zu kennen. Wir nehmen uns in den Vorgesprächen mit den Unternehmen viel Zeit, um nachher im Auswahlprozess zum einen die passenden Bewerber:innen identifizieren zu können und diese zum anderen auch von dem Unternehmen überzeugen zu können. Wie wir dabei vorgehen ist sehr individuell. Von der Stellenausschreibung über Direktansprachen bei Xing, LinkedIn und Co. bis hin zur aktiven Ansprache möglicher Kandidaten über unser Netzwerk schauen wir immer, welcher Weg uns schnell zum Ziel führt. Dabei arbeiten wir auch eng mit Partner:innen im Bereich Social Media Recruiting zusammen.


Beate Böttger:

Welche Kernmerkmale in der Bewerbung sind für Sie „der erste Blick“?


Ilka Bergrath:

Die klassischen „vollständigen Bewerbungsunterlagen“ mit Anschreiben und Co. sind lange nicht mehr zeitgemäß. Wenn wir beispielsweise Kandidat:innen über unsere Business-Netzwerke kontaktieren, führen wir die Erstgespräche oft, bevor wir Unterlagen vorliegen haben. Wenn die Position dann grundsätzlich spannend ist, schicken die Kandidat:innen im Nachgang Lebenslauf und Zeugnisse.


Der Lebenslauf ist für uns das A&O. Spannend sind dann besonders die letzten zwei, drei Positionen und die entsprechenden Aufgaben. Natürlich fällt auf, wenn Kandidat:innen die Position oft gewechselt haben oder Lücken im Lebenslauf zu finden sind. Hier raten wir immer, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und die Kandidat:innen im Bewerbungsgespräch offen auf ungeklärte Fragen anzusprechen.



Beate Böttger:

Viele Studien zeigen, dass Bewerbungen ohne Foto und Name oft effektiver sind. Wie sind die Reaktionen in der Praxis seitens der Arbeitgeber dazu?


Ilka Bergrath:

Tatsächlich ist es so, dass die Unterlagen von vielen Unternehmen als unvollständig eingestuft werden. Was in anderen Ländern tatsächlich ganz normal ist, ist bei uns noch nicht so recht angekommen. Menschen mit Migrationshintergrund werden im Bewerbungsprozess leider oft benachteiligt, was absolut unfair ist. Ob die anonyme Bewerbung die Lösung ist, wage ich jedoch zu bezweifeln. Denn sobald der Bewerber dann zum Vorstellungsgespräch erscheint, trifft dieser auf die gleichen Vorurteile.


Unser Job als Bindeglied zwischen Menschen und Unternehmen ist es manchmal auch, die Unternehmen zu sensibilisieren, wenn wir das Gefühl haben, dass Kandidatenvorschläge von uns aufgrund des Namens, des Aussehens, des Alters oder ähnliches fälschlicherweise aussortiert werden. In der Hinsicht stehen wir ebenfalls gerne beratend zur Seite.



Beate Böttger:

Ein Thema im Unternehmen sind auch immer die Finanzen. Wer zahlt die Rechnung, wenn kein geeigneter Mitarbeiter gefunden wird? Oder nach ein paar Wochen wieder kündigt?


Ilka Bergrath:

Die Frage wird uns tatsächlich sehr oft gestellt und ich kann hier nur von unserer Vorgehensweise sprechen. Unser Anspruch ist es, unsere Kunden langfristig zu binden und vor allem partnerschaftlich zu betreuen. Daher legen wir auch immer besonderen Wert auf individuelle Lösungen. Die Möglichkeiten sind vielfältig, müssen aber auch immer der Zielgruppe bzw. den Kundenwünschen angepasst werden.


In einer Variante gestaltet sich unser Honorar zum größten Teil erfolgsorientiert. Und Erfolg heißt in diesem Fall die Unterzeichnung eines Arbeitsvertrages. Wir gehen sogar noch einen Schritt weiter und bieten unseren Kunden eine Staffelung innerhalb der Probezeit an, um das Risiko hier zu minimieren. Bei einer Neubeauftragung wird im Vorfeld eine Pauschale abgerechnet, welche man in etwa mit der Schaltung einer Anzeige in hochwertigen Jobbörsen gleichsetzen kann. Allerdings – wie schon erwähnt – gehört zu unserer Dienstleistung etwas mehr, als nur auf die richtigen Bewerber:innen zu warten. Und vor allem ist die Laufzeit nicht begrenzt, denn unsere Arbeit endet erst mit der erfolgreichen Platzierung der neuen Mitarbeiter:innen.


Darüber hinaus bieten wir unsere Arbeit aber auch in Form einer Monatspauschale an - ganz nach dem Motto „Rent-a-Recruiter“. In unserem Premium-Paket können sogar Social-Media-Maßnahmen direkt integriert werden bis hin zur Unterstützung bei strategischen Themen hinsichtlich der eigenen Arbeitgebermarke.



Beate Böttger:

In der Pandemie haben viele Angst um Ihren Arbeitsplatz und schauen sich nach Alternativen um. Sind mehr Fachkräfte auf dem Markt? Lassen sich dadurch die Fachkräfte schneller finden?


Ilka Bergrath:

Die Pandemie hat den Fachkräftebedarf nur vorübergehend verringert, die Engpässe haben bereits wieder spürbar zugenommen. Während manche Betriebe beim Ausbruch der Krise einen Einstellungsstopp, Kurzarbeit und Kündigungen ausgesprochen haben, gibt es aber wiederum auch die Unternehmen, die gerade zu dem Zeitpunkt auf neue Talente gesetzt haben. Neben Fachkräften mit langer Berufspraxis lohnt es sich, jetzt vor allem auch auf Absolvent:innen und Nachwuchskräfte zu setzen. Schließlich bringen sie aktuelles Wissen aus ihrer Ausbildung oder dem Studium mit, welches direkt im Unternehmen eingesetzt werden kann. Zudem zeigen sich gerade Berufseinsteiger:innen während der Krise dankbar für die Möglichkeit, in den Beruf einzusteigen – und bedanken sich mit entsprechend hoher Loyalität und hohem Einsatz.


Die Anforderungen der Kandidat:innen haben sich ebenfalls stark verändert. Lange Zeit im Home Office und Co. hat dafür gesorgt, dass viele Fachkräfte die emotionale Bindung zu Ihrem Arbeitgeber verloren haben. Insbesondere, wenn keine starke Unternehmenskultur vorherrscht, führt es dazu, dass die Wechselbereitschaft steigt. Gleichzeitig haben die Kandidaten jedoch auch höhere Ansprüche an den zukünftigen Arbeitgeber. Denn das gleiche in Grün wollen sie eben auch nicht. Wir sind an einem Wendepunkt, an dem die Unternehmen sich ganz klar als Arbeitgeber positionieren müssen und Bewerber:innen eine authentische Botschaft vermitteln sollten, weshalb sich ein Wechsel lohnt. Und dabei spreche ich nicht von einem Obstkorb, kostenlosem Kaffee oder einem Kickertisch, sondern von gemeinsamen Werten, Zielen und sinnstiftenden Tätigkeiten.



Beate Böttger:

Wohin geht der Trend bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitenden?


Ilka Bergrath:

Das Auslagern von HR-Prozessen und Recruiting wird ein immer größeres Thema, um sich inhouse Zeit und Ressourcen zu sparen. Gleichzeitig merken wir, dass wir im Recruiting besonders erfolgreich sind, wenn wir eng mit unseren Kunden zusammenarbeiten und an allen Touchpoints arbeiten. Dazu gehört ebenso die eigene Karriereseite, die Direktansprache durch uns sowie zielgruppendefinierte Social-Media-Maßnahmen, um ein stimmiges und authentisches Bild zu erarbeiten. Das Thema „Arbeitgeberattraktivität“ ist eines der Top-Themen für die Zukunft! Wir können im Recruiting noch so stark sein, wenn die Attraktivität nicht gegeben ist, endet der Prozess leider oft schneller, als einem lieb ist.



Beate Böttger:

Was sind die Top 3 Wünsche der Arbeitsuchenden an den zukünftigen Arbeitgeber?


Ilka Bergrath:

Es gibt ein paar grundlegende Rahmenbedingungen, die stimmen müssen. Dazu gehört selbstverständlich das Gehalt, die Arbeitszeiten, Urlaubstage usw. Was Mitarbeiter:innen jedoch letztlich zu einem Wechsel bewegt, sind oft keine harten Faktoren, sondern vielmehr der Wunsch nach einem wertschätzenden Umfeld, das die gleichen Werte teilt. Und das kann je nach Bewerber:in tatsächlich unterschiedlich sein.


Der eine braucht Innovation, der andere Sicherheit. Noch jemand anderes wünscht sich Home-Office oder aber die sogenannte Work-Life-Balance. Arbeitgeber sollten sich daher dringend die Frage stellen: Welche Bewerber passen zu mir? Und dann alle HR-Aktivitäten auf diese Frage auslegen, anstatt zu versuchen, es allen Arbeitsuchenden recht zu machen. Für diese strategische Ausrichtung ist meine Geschäftspartnerin Christina Fiebig genau die richtige Ansprechpartnerin, denn sie geht hier nach einem 7-Schritte-Plan vor.


Unterm Strich kann ich also sagen, dass wir unseren Kunden die perfekte Connection als Gesamtpaket bieten können. Und genau das ist unser Ding!


Mehr über den BVMW: www.bvmw.de/osnabrueck/